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Mobilität der „sesshaften“ jungsteinzeitlichen Bauern: Analyse ausgewählter Häuser des bandkeramischen Zentralorts von Schletz (VB Mistelbach)

 

Die sogenannte „Neolithische Revolution“ des 6. vorchristlichen Jahrtausends bildet den Ursprung des Sesshaftigkeits–Narrativs in der Menschheitsgeschichte. Die an Grund und Boden gebundene Existenz der frühen Ackerbauern scheint ein markantes Gegenkonzept zur bisherigen Lebensweise der Menschen als hochmobile Jäger und Sammler darzustellen.

Wir möchten das plakative Sesshaftigkeits–Narrativ der (früh)bäuerlichen Lebensweise hinterfragen und untersuchen, ob der Übergang von der Mittel- zur Jungsteinzeit weniger den Beginn der allgemeinen Sesshaftigkeit, sondern vielmehr die Ablöse zweier unterschiedlicher Mobilitätskonzepte darstellte.

Im Rahmen des Projekts werden archäologische Funde der Linearbandkeramischen Kultur (5500-4000 v. Chr.) aus dem Kontext ausgewählter Häuser der Siedlung von Schletz analysiert.

 

Die archäologischen Ausgrabungen wurden in den Jahren 1982 bis 2005 durchgeführt und die Funde sind seither Bestandteil der Landessammlungen Niederösterreich. Der Hausrat, also Tongefäße, sowie Werkzeug und Schmuck aus Stein und Knochen erscheint uns besonders geeignet zur Untersuchung der Mobilität- von Gemeinschaften. Markante Unterschiede zwischen einzelnen Haushalten einer Zentralsiedlung könnten soziale Hierarchien sichtbar machen und nahelegen, dass die Unterhaltung von Fernbeziehungen und Warenverkehr Aufgabe von Spezialisten war. Dies würde einen markanten Wandel der Sichtweise auf die als kaum strukturiert und primär agrarisch gedachte Gesellschaftsordnung der „Frühen Bauern“ bedeuten.