Das mobile Ding des Monats DEZEMBER

Ein Kumpf aus Ungarn

 

Zusammen mit dem Einsetzen von Ackerbau und Vieh-zucht kam auch erstmals das Wissen um Keramikher-stellung und Töpferei nach Österreich. Diese erste neo-lithische Kultur auf mitteleuropäischem Boden wird in der Archäologie Linearbandkeramik (LBK) genannt, nach dem charakteristischen Verzierungsmuster der Keramik. Diese Verzierungen bestanden aus unterschiedlichen Ritzlinien, welche auf den Tongefäßen Bänder bildeten.

Anhand der verschiedenartigen Linienausführung ist es Archäolog/inn/en möglich, unterschiedliche regionale Kulturgruppen innerhalb der LBK zu definieren.

 

In den Landessammlungen NÖ befindet sich ein beson-ders schönes Stück, ein sogenannter Kumpf, der den weiten Weg vom Balaton bis ins Weinviertel/Nieder-österreich transportiert wurde und in der Fundstelle von Asparn/ Schletz wieder ans Tageslicht gelangte. Kumpf oder Bombe ist die Bezeichnung für Gefäße, die als Leit-keramik für die LBK gelten. Sie sind von halbrunder bis kugeliger Form und oftmals hochwertig und aufwändig verziert. Diese Verzierungen wurden mit Hilfe eines aus Knochen oder Holz gefertigtem Werkzeugs in die noch lederharte Keramik geritzt.

 

Anhand der tiefen, breiten Linien, die im Zick –Zack Mus-ter umlaufend am Bauch des Gefäßes eingeritzt wurden und der hohen Tonqualität konnte unser „Ding des Mo-nats“ der sogenannten Keszthely-Kultur zugeordnet wer-den. Typisch für diese Kultur ist die Fortsetzung älterer Verzierungstraditionen, allerdings waren die Gefäße nun von deutlich höherer Qualität. Diese macht sie für Arch-äolog/inn/en von ihrer Vorgängerkeramik unterscheid-bar. Zusätzlich kommt in unserem Fall ein neueres Ver-zierungselement hinzu, eine Linie, die unterhalb des Randes einmal umlaufend in das Gefäß eingeritzt wurde. Diese Kulturgruppe der Linearbandkeramik hatte ihr Kerngebiet im Großraum des Balatons, wo sich im Ba-kony-Gebirge auch die Lagerstätten des sogenannten Szentgal-Radiolarits befinden. Von dort aus wurde dieses hochwertige Gestein über weite Strecken bis hin zu 800 km weit weg verhandelt.

Ob der Kumpf im Zuge eines solchen Handelszuges nach Asparn/Schletz kam wissen wir nicht. Auch ist unklar, ob der Kumpf selbst das begehrte Gut oder quasi nur eine Art Transportverpackung für etwas Anderes war. Mög-licherweise kam der Kumpf auch im Zuge einer Heirat nach Niederösterreich. Isotopenanalysen an Skeletten der BandkeramikerInnen zeigen, dass Frauen oftmals sehr mobil waren und an einem anderen Ort bestattet wurden als dem, in dem sie ihre Kindheit verbracht hatten. Es könnte sich hier also um das Hochzeitsge-schirr einer jungen Frau handeln, die vom Balaton ins Weinviertel gezogen ist, um zu heiraten.  Es ist anzuneh-men, dass der Kumpf aufgrund seiner fremdartigen De-koration und exotischen Herkunft wohl eine Art Prestige oder Luxusgut war. Vielleicht war er auch ein Erinne-rungsstück an das Heimatdorf einer jungen Frau. 

Knapp 7000 Jahre nachdem der Kumpf letztendlich doch in einer Abfallgrube gelandet war, gelangte er im Zuge der Ausgrabungen in Asparn/Schletz wieder ans Tages-licht.

Julia Längauer/Zentrum für museale Sammlungs-wissenschaften - DUK

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