Das mobile Ding des Monats FEBRUAR

Ein Spondylus-Armreif aus Asparn/Zaya-Schletz

Spondylusschmuck war innerhalb der linearband-keramischen Kultur, der ersten neolithischen Kultur Mitteleuropas, weit verbreitet und wird häufig im Grab-kontext aufgefunden. Der hier abgebildete Spondylus-Armreif befindet sich in den Landessammlungen NÖ und befand sich am linken Oberarm eines innerhalb der Sied-lung bestatteten Kindes in Asparn/Zaya-Schletz (datiert 5260 v. Chr.).

 

Durch den Einsatz neuer naturwissenschaftlicher Metho-den bestätigte sich in den letzen Jahren, dass die ersten neolithischen Siedler Mitteleuropas mit einem Gesamt-paket, welches die Sesshaftigkeit, die Vorratshaltung, den Anbau von Kulturpflanzen, die Haustierhaltung, die Produktion von Keramik und den Steinschliff umfasste, in Mitteleuropa ankamen. Die Anfänge dieser Kultur liegen im Bereich des sogenannten Fruchtbaren Halbmondes (nördliche arabische Halbinsel), die Ursprünge der ersten Bauern Mitteleuropas sind im Südosten, entlang des Donau-Tals zu suchen. Trotz der Sesshaftigkeit dieser Kultur geben uns Funde Aufschluss über die Mobilität und weitreichenden Kontakte der linearbandkeramischen Bevölkerung.

 

Die Stachelauster (Spondylus gaederopus), aus der der Schmuckreif geschliffen wurde, ist eine essbare Muschel-art, welche weltweit in wärmeren Meeren, so im Schwar-zen Meer und im Mittelmeer vorkommt. Sie lebt fest an-zementiert auf Felsuntergrund und filtert das Wasser.

Der Fundplatz Asparn an der Zaya liegt mehr als 500 km von der Mittelmeerküste entfernt (Triest), zum Schwar-zen Meer sind es, dem Donaulauf folgend, cirka 1900 Stromkilometer. Es ist anzunehmen dass der Wert der Muschelschalen mit der Entfernung von ihrem Ur-sprungsort stieg. Während man sie in Mittelmeer-regionen (Ägäis und Adria) oft in fragmentierter Form im Siedlungskontext findet, sind uns aus Mitteleuropa viele vollständig erhaltene Schmuck- und Trachtbestandteile aus Spondylus bekannt, die meist zur Grabausstattung gehörten. Die Objekte wurden auch recycelt und wieder-verwendet (z.B. als Anhänger weitergenutzt).

 

Mag sein, dass kulturell, religiös oder rituell motiviert, verstärkt Beziehungen - in welcher Art auch immer - in die "Urheimat" der Ahnen unterhalten wurden und Ob-jekte aus dem Ursprungsort der Familie eine wesent-liche Bedeutung für die Kultur hatten. Da viele Rohma-teriallagerstätten des Westens noch nicht erschlossen bzw. unzureichend bekannt waren, griffen die ersten neolithischen Siedler wohl auf altbekannte Ressourcen zurück. Auf Handelswegen längs der Donau und über den Großraum des Balaton zur Adria wurden neben Roh-material (Obsidian aus dem Tokaj-Gebirge, Szentgal-Radiolarit aus dem Bakony-Gebirge) vielleicht auch Schmuckobjekte gehandelt. Die Netzwerke des Handels sind oft schwer nachvollziehbar, wenn es sich um ver-gängliche Waren handelt oder wenn Rohstoffe weiterver-arbeitet wurden. Denkbar ist auch, dass Spondylus-schmuck, der den langen Weg von der Mittelmeerküste bis nach Thüringen oder gar ins Pariser Becken zurück-legte, nur als Nebenware gehandelt wurde und das Hauptaugenmerk auf dem Handel mit Salz lag. Unklar bleibt, ob und wenn ja, welches Äquivalent in Mittel- und Westeuropa zurückgehandelt wurde, welche wirtschaft-lichen und sozialen Prozesse mit der Gabe oder dem Tausch von Waren über große Entfernungen verbunden waren.

Daniela Fehlmann/Zentrum für museale Sammlungs-wissenschaften - DUK

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