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Religiöse „Wearables“ als materielle Zeugen neuzeitlicher Mobilität (17./18. Jahrhundert)

 

Religiöse „Wearables“, d.h. Anhänger und Medaillen, sind innerhalb der Vielfalt an materieller Hinter­lassenschaft neuzeitlicher religiöser Praktiken ein ideales Forschungsfeld, um die Frage der Mobilität als Katalysator religiöser Strömungen und Ideen zu untersuchen, da sie im Spannungsfeld zwischen religiösen Normen und sozialer Praxis zu verorten sind.

Während die ältere Forschung in diesen Objekten Belege der Konfessionalisierung sah, zeigen neuere, aus der Praxistheorie abgeleitete Ansätze, dass das Erwerben und Tragen mobiler Religiosa über Konfessions­grenzen hinwegreicht und auch die Aufklärung überdauert. Mobil sind beispielsweise Menschen, die von Wallfahrten derartige Objekte als Nachweis ihrer Pilgerreise nach Hause mitbrachten und hier für verschiedene Zwecke – vom Kleidungsaccessoire und Rosenkranzanhänger bis zum Bauopfer – verwendeten.

Religiöse Anhänger und Medaillen konnten aber auch über fahrende Händler oder religiöse Korpora­tionen, wie Bruderschaften und Kongregationen, vertrieben werden. Durch das Kopieren von Anhängern anderer Wallfahrtsorte und ortsfremder Heiliger konnte sowohl im religiösen als auch im ökonomischen Sinn Teilhabe an diesen Strömungen gewonnen werden (Fassbinder 2003). In diesem Fall sind zwar die Objekte „lokal“, aber die damit verbundenen Ideen und Konzepte mobil.