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Nach dem „Anschluss“ in Niederösterreich: „Arisierte“ Dinge und „Dinge des Exils“

Die Vertreibung jener Menschen aus Niederösterreich, die nach den „Nürnberger Gesetzen“ als jüdisch galten, brachte nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch deren Besitz buchstäblich in Bewegung. Denn die „Arisierungen“ und „Entjudungen“ betrafen nicht nur Immobilien und Geschäfte, sondern auch alltäglich gebrauchten Hausrat, Kleidung, Möbel, Bücher sowie Kunstgegenstände.

 

Angesichts dieser besonderen Mobilität durch Raub und Vertreibung fragt der Themenbereich nach den Akteursgruppen, nach den Veränderungen sowohl für die Profiteure als auch für die Beraubten: Welche Bedeutungen verbanden einerseits die „Ariseure“ mit den „neuen Dingen“? Inwieweit brachten ihnen diese eine Aufwertung ihres gesellschaftlichen und sozialen Status? Mussten sie jemals restitutiert oder rückgestellt werden?

 

Welche Dinge konnten andererseits die zur Flucht Gezwungenen in die Emigration retten? Inwieweit luden die Enteigneten den unfreiwillig zurückgelassenen Besitz mit Bedeutungen auf? Wie wurde dieser Verlust erinnert? Wie veränderten sich durch Besitzer- und Ortswechsel die Dinge selbst, etwa, indem aufgrund des reduzierten Wohnraums Möbel umgestaltet oder Gegenstände zweckentfremdet werden mussten?

 

Anders als im verwandten Themenbereich „(Nicht) im Gepäck?“ sind die Gegenstände in der Regel materiell nicht mehr fassbar. Beschreibungen finden sich aber in Vermögensanmeldungen, Arisierungs- und Restitutionsakten oder werden in autobiographischen Texten thematisiert. Der ergiebigste Quellenbestand sind die knapp 4.700 Aktenvorgänge zum Vermögensentzug im NÖ Landesarchiv sowie die zugehörigen Rückstellungsakten. Weitere Informationen können aus den Büchern der „Vugesta“ bzw. den Listen der Umzugsgüter der „Masse Adria“ im Österreichischen Staatsarchiv/Archiv der Republik und den Ausfuhrgenehmigungen im Archiv des Bundesdenkmalamts gewonnen werden.