Kontakt: +43 (0) 2742 77171-0  |  > office@injoest.ac.at 

© 2019 by Injoest

Nach dem „Anschluss“ in Niederösterreich: „Arisierte“ Dinge und „Dinge des Exils“

Die Vertreibung jener Menschen aus Niederösterreich, die nach den „Nürnberger Gesetzen“ als „jüdisch“ galten, brachten nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch deren Besitz buchstäblich in Bewegung. Denn die „Arisierungen“ und „Entjudungen“ betrafen nicht nur Immobilien und Geschäfte, sondern auch alltäglich gebrauchten Hausrat, Kleidung, Möbel, Bücher sowie Kunstgegenstände.

 

Angesichts dieser besonderen Mobilität durch Raub und Vertreibung fragt der Themenbereich nach beiden Akteursgruppen, nach den Veränderungen für die Profiteure und für die Beraubten: Welche Bedeu­tungen verbanden die „Ariseure“ mit den „neuen Dingen“? Inwieweit brachten ihnen diese Vorteile und Statusaufwertung? Inwieweit luden die Enteigneten die unfreiwillig zurückgelassenen Dinge mit Bedeutungen auf? Wie wurden diese erinnert? Wurden sie ersetzt und auf welche Weise? Wie veränderten sich durch Besitzer- und Ortswechsel die Dinge selbst, etwa, indem aufgrund des reduzierten Wohnraums Möbel umgestaltet oder Gegenstände zweckentfremdet werden mussten?

 

Anders als im verwandten Themenbereich „(Nicht) Im Gepäck“ sind die Gegenstände in der Regel nicht materiell fassbar, sondern finden sich in den Vermögensverzeichnissen, Arisierungs- und Restitutionsakten oder werden in autobiographischen Texten thematisiert. Der ergiebigste Quellenbestand sind die knapp 4.700 Aktenvorgänge zum Vermögensentzug im NÖ Landesarchiv sowie die zugehörigen Rückstellungsakten. Zu einzelnen besonders relevanten Fällen werden die Ausfuhrgenehmigungen im Archiv des Bundesdenkmalamts beigezogen.